Die Münchener Fotografin Susanne Krauss fotografiert Familien und Neugeborene. Auch von Sternenkindern macht sie gefühlvolle Bilder und gibt Eltern damit bleibende Erinnerungen. In ihrem Blog auf www.susannekrauss.de beschreibt sie die Wassermethode, die Familien wertvolle Zeit mit ihrem verstorbenen Kind schenken kann. Liebe Susanne – herzlichen Dank, dass wir Text und Bilder verwenden dürfen!

Wer weitere Informationen zur Wassermethode sucht, wird auf www.watermethode.nl fündig. Hier geben die Hebamme und Ärztin Ilona Tiemens-van Putten und die Trauertherapeutin Janet Molewijk-Herbrink Informationen für Sterneneltern und Fachpersonal aus dem medizinischen Bereich.

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Sternenkinder & stille Geburten – warum die Wassermethode so wichtig ist.

Die Wassermethode ist in den USA oder auch Holland und Skandinavien bereits seit Jahren bekannt und wird dort erfolgreich praktiziert.

Wenn ein Baby tot zu Welt kommt (egal in welcher SSW) wird es normalerweise in der Zeit, die es nicht bei den Eltern ist, in die Kühlung gelegt, damit der Vergänglichkeitsprozess nicht so schnell einsetzt. Das hat – trotz des Vorteils der Kühlung – einen großen Nachteil: Der Körper verliert schneller die Form, weil die Flüssigkeit (wie in einem funktionierenden Kreislauf) nicht nachgebildet werden kann und der Mensch langsam ‚austrocknet‘.

Gerade bei Sternenkindern, die in sehr frühen Wochen geboren werden, passiert es besonders schnell: Da alles viel zarter und sehr empfindlich ist (Die Haut ist noch so dünn, dass man ohnehin jedes Gefäß erkennen kann) schreitet dieser Prozess tatsächlich in Minutenschnelle(!) voran. Außerdem sind die Babys teilweise noch mit Resten von Blut, Plazentagewebe, zuweilen auch Mekonium oder Käseschmiere bedeckt und sehen daher ‚versehrter‘ aus, als sie es tatsächlich sind. Die Wassermethode ist – um eben diese Effekte zu mindern -wirklich sehr hilfreich!

Was ganz wunderbar ist: Sie ist sehr einfach und unkompliziert anzuwenden. Man braucht lediglich: Einen Behälter, in dem das Kind frei im Wasser liegt (beispielsweise eine größere Schüssel) und Leitungswasser (am besten kühl). Das ist schon alles! Das Schöne daran: Das Kind darf (fast) in seine „gewohnte Umgebung“ zurück. Gewebe und Blutreste, die sich noch am Körper befinden(wie oben erwähnt), können sich sanft lösen.

Bitte befüllt das Gefäß soweit, dass das Baby komplett von Wasser umgeben ist. Wichtig dabei: Lasst das Wasser einfließen, bevor ihr das Kind hineinlegt, oder richtet den Wasserstrahl vorsichtig neben das Baby, wenn ihr das Wasser einlasst, damit die zarte Haut nicht unnötig strapaziert wird. Bei diesem ersten ‚Bad‘ wird sich das Wasser durch die Reste noch verfärben/eintrüben. Wartet eine wenig, damit sich diese Reste lösen können und wiederholt den Vorgang (denkt daran, das Wasser nicht über das Baby laufen zu lassen) evtl. mehrmals, bis das Wasser klar ist. Das Sternchen kann auch vorsichtig aus dem Wasser genommen, das Wasser gewechselt und das Kind danach wieder hineingelegt werden.

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Einer der großen Vorteile eines sehr früh geborenen Sternenkindes, das bald in’s Wasser gelegt wird, ist: Die Haut wird sauberer und sie klebt nicht, daher reißt sie auch nicht so leicht. Die Eltern müssen weniger Sorge haben, ihr Kind durch Berührung noch zusätzlich zu verletzen. Ein weiterer sehr großer Vorteil: Je länger ein Baby im Wasser liegen darf, desto mehr ‚erholt‘ es sich. Dunklere Färbungen (die besonders bei sehr frühen Wochen auftreten) verschwinden oft zu großen Teilen wieder und die Kinder werden wieder ein wenig ‚fester‘.

Wichtig ist jedoch, dass das Wasser wirklich kühl ist und das Baby so früh wie möglich ins Wasser kommt. Bei hohen Außentemperaturen können auch Kühlpacks ins Wasser gelegt werden. Das kalte Wasser schreckt manche Eltern ab, denn sie wollen nicht, dass ihr Kind kalt liegen muss (was es aber in der Kühlung ja ebenfalls tut). Ich rate Klinikpersonal und Hebammen daher gerne, das Baby in ein handwarmes Wasser ‚umzubetten‘ wenn es bei den Eltern sein darf.

Kinder halten sich bzgl. des Geburtszeitpunktes nicht an Tageszeiten. So werden auch Sternenkinder häufig mitten in der Nacht geboren. Auch, wenn ich als Sternenkindfotografin wirklich 24/7 zur Verfügung stehe, kann es passieren, dass die Eltern sich z.B. noch nicht in der Lage fühlen, gleich eine Fotografin an ihrer Seite zu haben. Auch in diesem Fall hat sich die Wassermethode sehr gut bewährt. Das Baby ist auch nach mehreren Stunden kaum verändert, sofern das Wasser kühl bleiben darf und das Baby, so schnell es möglich war, hinein gelegt wurde*.

Welches Gefäß eignet sich am besten?

Das mag angesichts der Dramatik vielleicht unpassend scheinen, aber ist doch wichtig, denn es soll ja schön anzusehen und das Kind so würdevoll wie möglich gebettet sein.

Am besten eignet sich glatte Gefäße in weiß oder aus Glas, da sie dem Baby die natürliche Farbe lassen und nicht auf die Haut ‚abstrahlen‘, die Eltern es (bei Glas) außerdem zusätzlich besser ansehen können. Es darf auch gern einen schöne Keramikschüssel oder breite Vase sein, sofern man mit den Händen gut hineinfassen kann. Wenn die Eltern wissen, dass sie ihr Kind verloren haben, und bis zur Geburt noch Zeit ist, kann z.B. auch das Bemalen eines geeigneten Gefäßes eine Möglichkeit zur Trauerbewältigung sein.

Wie bereits erwähnt, muss aber immer die Möglichkeit gegeben sein, dass das Baby liegt und der Körper vollständig mit Wasser bedeckt ist. Die Größe des Gefäßes richtet sich nach der zu erwartenden Größe des Kindes: Faustregel: Die SSW + 3 cm entspricht zwischen der 12. und 20. SSW ca. der Größe des ‚idealen‘ Behälters. Beispiel: Ein Baby, das in der 15. Woche geboren wurden passt in einen Behälter, der ca. 15 + 3 cm (also 18 cm) Durchmesser hat. Die Höhe des Behälters sollte 15 – 16 cm grundsätzlich nicht unterschreiten. Ab der 20.-25.SSW braucht man einen Behälter mit ca. 30-38 cm Durchmesser und ca. 20 cm Höhe.

Ab der 26. Woche ist tatsächlich eine kleine Babybadewanne eine gute Möglichkeit, das Baby sicher und geborgen zu betten. Der positive Effekt der Wassermethode ist leider mit zunehmendem Alter der Kinder nicht mehr ganz so stark spürbar, lohnt sich aber (gerade bzgl. eventueller Hautläsionen) auch noch bei einem reif geborenen Sternenkind.

Das Kind aus diesem Betrag ist übrigens Ende der 15. SSW zur Welt gekommen.

Eine wichtige Anmerkung zum Schluss:
Im Falle einer Obduktion (die evtl. Aufschluss über die Todesursache geben kann) ist die Wassermethode auch prinzipiell möglich. Dies sollte aber vorher nachgefragt bzw. beim Anmeldebogen zur Obduktion angegeben werden.

Text (abgeändert): Susanne Krauss, www.susannekrauss.de