Wenn ein Mensch stirbt, ist es nicht immer leicht die richtigen Worte zu finden. Wenn ein Kind stirbt, können Scham, Angst und Unbehagen zu einem echten Blackout führen und wir bedienen uns abgestumpfter Phrasen mit denen wir die Betroffenen tief verletzen. Dabei meinen wir es doch nur gut!

Weil „gut gemeint“ nicht immer „gut gemacht“ ist, haben wir im Trauer-Bullshit-Bingo ein paar dieser typischen Sätze gesammelt, die Sterneneltern leider immer wieder zu hören bekommen. Wir möchten Euch zeigen, wie das bei den Eltern ankommt. Denkt immer daran: für Euch ist es EIN unangenehmer Moment aber die Eltern müssen damit leben.

Tipp: Wie Ihr es stattdessen besser machen könnt, erfahrt Ihr im Beitrag „XXX“.

„Es ist besser so.“ „Ihm/Ihr ist viel erspart geblieben.“
Was ist genau ist besser? Was wurde erspart? Nicht jedes Kind hat seine letzten Tage in quälenden Schmerzen verbracht, also was bitte soll daran gut oder sogar besser sein? Überhaupt hat dieses Kind keine Chance auf ein langes Leben bekommen und seine Eltern dürfen es nicht aufwachsen sehen. Daran ist nichts tröstliches.

„Wer weiß wofür es gut war.“
Am Tod eines Kindes ist NIE etwas gut. Punkt.

„Er/Sie/Es war bestimmt krank.“
Eine Mutmaßung, mit der Ihr Euch zu weit aus dem Fenster lehnt. Traurig aber wahr: nicht alle Kinder sind totkrank und trotzdem kommt es zur Fehlgeburt. Der plötzliche Kindstod kann auch im Mutterleib eintreten oder es gibt andere medizinische Gründe. Nicht immer ist der Grund überhaupt bekannt. Quält die Eltern also nicht mit solchen Aussagen.

„Was habt Ihr denn falsch gemacht?“ „Hast du dir mal überlegt, warum dein Kind nicht bei dir bleiben wollte?“ „Du hattest ja auch ganz schön viel Stress in der Schwangerschaft.“
Touché! Mit diesen Sätzen trefft Ihr genau ins Schuldzentrum der Eltern. Als ob sie sich diese Fragen nicht immer und immer wieder selbst stellen – Autsch. Hört auf Vorwürfe zu machen und den Eltern Schuld einzureden. Nicht immer gibt es einen Grund für den Tod des Kindes oder wollt Ihr behaupten, die Eltern haben absichtlich ihr Kind sterben lassen?

„Er/Sie/Es war ja noch ganz klein.“ „Zumindest warst du noch nicht so weit.“ „Lieber jetzt als später.“ „Besser jetzt als in ein paar Wochen.“
Ziemlich respektlos dem verstorbenen Kind gegenüber, oder? Als würde der Wert eines Menschen erst mit seinem Alter wachsen und als wäre der Tod deshalb nicht ganz so schlimm.

„Das war ja noch kein richtiges Kind.“ „Er/Sie/Es hat ja noch gar nicht richtig gelebt.“
Schon rein medizinisch wird ein Leben anhand des Herzschlags festgestellt, der bereits am 22. Tag einsetzt. Emotional sehen sich viele Eltern bereits mit dem positiven Schwangerschaftstest als solche. Der Körper der Mutter verändert sich, vielleicht sind schon die ersten Kindsbewegungen zu spüren. Hört das Herz auf zu schlagen, tritt der Tod ein und das Leben wird beendet. Hier zu behaupten, dass Kind habe nicht gelebt ist einfach nur respektlos.

„Ich weiß genau wie du dich fühlst.“
Nein, vermutlich nicht. Selbst wenn du schon einen Verlust erlebt oder sogar selbst ein Sternenkind hast. Jede Trauer ist anders und sollte nicht verglichen werden. Es gibt bessere Formulierungen um dein Mitgefühl auszudrücken.

„Er/Sie/Es passt jetzt als Engel auf dich auf.“ „Er/Sie/Es ist immer in deinem Herzen.“ „Gott hat ihn/sie/es zu sich genommen.“
Das kann hilfreich sein, hängt aber stark vom Glauben der Eltern ab. Wenn diese nicht schon selbst zuvor eine solche Aussage getroffen haben, dann haltet Euch damit besser zurück und zwingt den Eltern nicht Euren Glauben auf.

„Er/Sie/Es ist jetzt an einem besseren Ort.“
Für Eltern gibt es keinen besseren Ort für ihr Kind als in den eigenen Armen. Auch hier gilt: zwingt den Eltern nicht Euren Glauben auf.

„Das passiert so Vielen.“
Prinzipiell eine richtige Aussage aber für die Betroffenen in dem Moment wenig hilfreich. Leider wird das Thema in der Gesellschaft tabuisiert und Eltern fühlen sich mehr isoliert als aufgehoben. Zudem erzeugt der Satz unnötig Druck nach dem Motto „… also stell dich nicht so an.“

„Ich kenne welche, da ist es so und so passiert. DAS war richtig schlimm.“
Der Tod ist kein Wettbewerb. Schmerz und Trauer sind so individuell wie Liebe und sollten nie verglichen werden. Nur weil es anderen vermeintlich schlechter geht, macht es die eigene Situation nicht leichter zu ertragen.

„Ihr seid ja noch jung. Ihr könnt ja noch andere Kinder bekommen.“
Das suggeriert, dass das verstorbene Kind ersetzbar und damit minderwertig sei. Dazu kommt, dass Ihr nicht wisst, wie lange das Paar schon versucht hat schwanger zu werden – das ist nämlich nicht immer so leicht, wie es klingt. Nicht alle Eltern können oder wollen erneut schwanger werden. Spart Euch besser solche Aussagen.

„Jetzt weißt du wenigstens, dass du schwanger werden kannst.“
Also auf zum nächsten Versuch, oder wie? Als wäre das verstorbene Kind ein missglückter Prototyp. Zudem wisst ihr nicht, wie lange die Frau bereits versucht hat schwanger zu werden. „Schwanger werden“ und „schwanger bleiben“ sind nämlich zwei paar Schuh.

„Du hast doch noch andere Kinder.“
Ähnliche wie die Sätze davor wird hier suggeriert, dass das verstorbene Kinder ersetzbar wäre. Wenn bereits Geschwisterkinder da sind stehen Eltern zudem unter einem besonderen Druck, da sie ihre Trauer oft nicht so offen ausleben können.

„Kopf hoch! Das wird schon wieder.“
Nein, es wird nicht wieder – das Kind ist tot und kommt nicht zurück. Die Lücke bleibt für immer. Statt aufzumuntern solltet Ihr besser zuhören und den Schmerz der Eltern aushalten auch wenn es unangenehm ist.

„Die Zeit heilt alle Wunden.“
Eine gängige Floskel die wenig Empathie zeigt. Es verharmlost den schweren Weg, der Eltern jetzt bevorsteht und den sie leider aktiv gehen müssen. Abgesehen davon hat Trauer kein Ziel – die Lücke, die das Kind im Herzen der Familie hinterlässt, wird nie ganz geschlossen werden. Die „Wunde“ bleibt für immer.

„Du musst loslassen.“
Merkt Euch: Sätze mit einem „muss“ sind nie angebracht. Und was genau sollen die Eltern loslassen? Ihr Kind? Ihre Liebe? Ihre Erinnerungen? Sollen sie all das vergessen? Eine Verdrängung solcher traumatischen Erlebnisse kann ernsthaft krank machen. Gesünder ist es die Trauer anzunehmen und die Eltern dahingehend zu bestärken.

„Du musst nach vorne sehen/weiter machen.“
Auch ein häufiger „Du-muss-Satz“. Besonders für frisch gebackene Sterneneltern gibt es grade keine Zukunft, nur die Vergangenheit oder das Hier und Jetzt. In eine Zukunft ohne sein geliebtes Kind zu blicken ist einfach zu schwer zu ertragen.

„Du musst wieder der/die Alte werden.“ „Du hast dich so stark verändert, ich erkenne dich gar nicht wieder.“
Damit drückt Ihr nur aus, wie unwohl Ihr selbst Euch mit dem Thema fühlt. Den Tod des eigenen Kindes zu erleben oder als Frau sein Kind tot zur Welt zu bringen ist ein lebendsveränderndes und traumatisches Ereignis. Das prägt. Offenbar hat der/die Betroffene gelernt damit umzugehen nur Ihr seid nicht dazu in der Lage.

„Du bist so stark.“
Nett gemeint aber es erzeugt einen enormen Druck auf die Eltern, die sich alles andere als stark fühlen. Vielmehr führt es dazu, dass die Eltern künftig ihre Trauer vor Euch verstecken werden um den guten Schein zu wahren während sie innerlich zerbrechen.

„Also ICH könnte das nicht.“
Doch, könnt Ihr. Sterneneltern sind nicht stärker oder besser als andere Menschen, denn sie haben schlichtweg keine andere Wahl als damit zu leben. Die traurige Wahrheit ist, dass es jeden treffen kann. Und jeder Mensch wird gezwungenermaßen einen Weg damit finden.

„Du bleibst in deiner Trauer stecken.“
Ein weit verbreiteter Mythos. Zwar gibt es in der Medizin den Begriff der „pathologischen Trauer/ anhaltenden Trauerstörung“ aber Ihr seid sicherlich kein Arzt oder Therapeut um das beurteilen zu können. Trauer folgt keinen Regeln oder einem Zeitlimit, schon gar nicht bei solch einem Tod außerhalb der Norm.

Nach erneuter Schwangerschaft: „Du hast doch jetzt ein (lebendes) Kind, also… hör auf zu trauern/hör auf vom Tod zu reden/ist doch jetzt alles gut.“
Kein Menschenleben kann ein anderes ersetzen. Sein Kind zu verlieren ist kein „Problem“ das es zu lösen gilt. Das Sternenkind ist und bleibt Teil der Familie und es gehört auch zur Biographie des Folgewunders.

„Jetzt muss aber auch mal wieder gut sein.“ „Trauerst du etwa immer noch?“
Falls Ihr bis hier hin gekommen seid, solltet Ihr mittlerweile verstanden haben, dass nach dem Tod des eigenen Kindes nichts wieder so ist wie vorher und schon gar nicht „gut“. Die Trauer bleibt. Ja, sie verändert sich und Eltern lernen zwangsläufig damit zu leben. Aber wann und wie das geschieht sollte nicht von Euch bewertet werden.